Eigene Texte
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Bisher gibt es erst eine Geschichte, aber es werden bestimmt noch mehr.
Diese Geschichten kann man hier nachlesen:
Petra:
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Begegnung
Gleichförmig zinngrau erschien ihr der Himmel, wenn sie es schaffte, den Blick zu heben, ohne dass ihr die heranstürmenden Schneekristalle die Augen verschlossen. Nirgends eine Farbvariation, selbst der Kontrast zwischen Erde und Himmel, an einer Linie, die sich sonst Horizont nannte, war nicht mehr.
Sie stapfte weiter, froh, dass wenigstens ihre geflochtenen Schneeschuhe das Einsinken in den tiefen weißen Flausch verhinderten, über den die Flocken marodierten, als wollten sie jede Morphologie vernichten.
Während der Schneesturm in seiner Gewalt noch zunahm, fühlte Tove sich durch ihre alten Cordhosen immer mehr zu Boden gezogen, da sie sich wie ein Schwamm voll gesogen hatten mit dem Wasser, zu dem der Schnee durch ihre Körperwärme geschmolzen war.
Allmählich litt sie unter Halluzinationen. Sporadisch, wenn der Wind nicht so laut brüllte wie der Regionalexpress von Trondheim nach Bodø, meinte sie Laute zu hören. Klingelnde Töne, zeitweilig an Volksmusik erinnernd, aber sicher eher von Engeln gespielt, die sich schon auf ihr Kommen vorbereiteten.
Da sie nichts sah, absolut nichts und deshalb auch nicht wusste, ob sie noch sehen konnte (ihre Schneebrille war längst von einer Böe davongetragen), war Tove einem Herzkasper nahe, als ihr Gesicht plötzlich in einem dicken, durch hart gefrorene Schneekristalle stacheligen Fell steckte.
Sie war irgendwo gegen gelaufen. Zu groß für einen Polarfuchs, zu geruchsintensiv für ein Rentier. Schon immer war ihr klar gewesen, dass sie irgendwann in den Armen eines Eisbären ihr Leben aushauchen würde. Sie war zwar bewaffnet und auch durch Schießübungen auf solche Begegnungen vorbereitet worden, aber noch nie hatte sie solch einem Koloss tatsächlich gegenüber gestanden.
Während sie noch überlegte, ob zu rennen sich überhaupt lohnte, bewegte sich der Bär, leicht wie ein Bettlaken im Wind und Tove stellte tastend fest, dass es sich um ein zum Trocknen aufgehängtes Fell handelte.
Erst jetzt setzten ihre akustischen Sinne wieder ein und ihr wurde klar, dass sie die ganze Zeit ein leises Jölken hörte, der lange vergessene Gesang der Samen.
Im Grauweiß um sich ertastete Tove Holzbretter, aneinandergefügt zu einer Hoffnung. Sie hämmerte gegen die Hütte und als die Tür aufging, erleuchtete gemütliches Petroleumlicht das im Sturm schaukelnde Bärenfell.
In seiner Muttersprache lispelte ihr ein bärtiger Alter etwas Unverständliches entgegen, dass er dann aber auf Norwegisch wiederholte: „Velkomme, komme inn!“ Sie befreite sich von ihren hart gefrorenen Sachen und taute langsam auf. Äußerlich durch das knisternde Feuer in dem alten gusseisernen Ofen, innerlich durch den dicken Kaffee, den der Mann ihr aus dem alten, schwarz gebrannten Kessel einschenkte: „Lass uns auf deinen Besuch trinken!“ begrüßte sie der Pelztierjäger endgültig.
© Petra Ludwig-Sidow
Noch nix
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